Keine Grenzen bei der Gleichstellung

22. Juni 2015 | von Klaus Kirschner
Keine Grenzen bei der Gleichstellung
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„Gleichstellung ohne Grenzen“ unter diesem Motto stand das diesjährige Zurich Pride Festival. Das Motto war bewusst zweideutig gewählt. Forderte es doch auf der einen Seite: keine Grenzen in der Gleichstellung innerhalb der Schweiz und auf der anderen Seite: Gleichstellung über Landesgrenzen hinweg.

Aber es gibt sicherlich noch mehr gute Gründe, warum Zürich und das Zurich Pride Festival einen Besuch wert sind. bonvoyage war vor Ort und hat sich für euch umgeschaut.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Zurich Pride Festival nicht von anderen Prides. Beim zweiten oder dritten Blick findet man schon Unterschiede. Deutlich sichtbar ist die Unterstützung der Stadt. Regenbogenflaggen soweit das Auge reicht. Hier wird offensichtlich, dass in den letzten Jahren grundlegende Veränderungen zum Vorteil der LGBTI-Community stattgefunden haben. Dies erklärt auch die hohe Anziehungskraft der Stadt auf die weltweite Community. Ebenfalls nicht zu vergessen, Zürich ist die Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit.

Das Zurich Pride Festival ist die größte LGBTI-Veranstaltung der Schweiz. Nach Angaben der Veranstalter nahmen 16.000 Menschen an der Parade teil. Und hier wird ein weiterer Unterschied sichtbar. Der Schwerpunkt von Demo und Festival liegt nicht auf dem Feiern, auch wenn das mit dem Fest auf dem Kasernenareal und auf zahlreichen Partys nicht zu kurz kommt. Die politische Forderung steht im Mittelpunkt und wird mit Nachdruck vertreten. Sei es bei der Parade oder auf den zahlreichen Veranstaltungen im Laufe der Pride Week. Auch die Umbenennung von CSD Zurich in Zurich Pride Festival hat ihren tieferen Grund. Ging es doch bei den CSD meistens nur um die Rechte von Lesben und Schwulen, wird beim Zurich Pride für die Rechte der Community in ihrer gesamten Vielfalt gekämpft. Gerade in der Schweiz geht es zurzeit darum, eine Initiative der Christdemokratischen Volkspartei der Schweiz zu verhindern. Ziel dieser Initiative ist eine Verfassungsänderung mit Ziel, die Ehe als eine Verbindung von Mann und Frau festzuschreiben. Dies wäre das erste Mal in der Geschichte der Schweiz, dass Diskriminierung in der Verfassung verankert würde.

Doch was war bei der Parade anders als anderswo? Es gab Wagen mit lauter Musik, Fußgruppen und es gab Transparente mit den Forderungen an Staat und Gesellschaft. Also doch fast wie überall. Aber halt nur fast. Wohltuend auffällig war das Fehlen nackter Haut oder purer Provokation. Klar, auch in der Schweiz dürfen und müssen wir unsere Forderungen laut und bunt auf die Straße bringen, aber ich finde, wer Respekt von anderen fordert, muss selbst ein Vorbild sein. Auch sicherlich ein weltweites Novum der diesjährigen Parade war, dass sie von elf Botschaftern oder hochrangigen Vertretern des diplomatischen Corps angeführt wurde. Darunter die Vertreterinnen und Vertreter von Finnland, Schweden, Bosnien-Herzegowina, Kanada, Großbritannien und der USA. Stellvertretend für ihre Kollegen hielt Suzi LeVine, Botschafterin der USA, eine engagierte Rede vor dem Start der Parade. Sie endet mit dem Aufruf, unseren Kampf fortzusetzen. „Niemand von uns ist frei, bis alle frei sind.“

Alex_Minsky_FB_ZPF

Einer der bekanntesten Paradeteilnehmer war Alex Minsky. Der 26-jährige heterosexuelle ehemalige US-Marine und Kriegsveteran verlor im Afghanistan-Krieg ein Bein. Wie er in seiner Rede selbst betonte, veränderte dies sein ganzes Leben von einer Sekunde auf die andere. Es folgten Depressionen und vieles mehr. In dieser Zeit, so Alex, merkte er, wie wichtig es ist einen Menschen zu lieben. Er fordert klar: „Liebe ist ein Menschenrecht.“ Trotz seines Handycab ist Alex Minsky heute einer der weltweit gefragtesten Modells und lautstarker Kämpfer für LGBTI-Rechte.

Mein Fazit: Tolle Stadt, wenn auch nicht gerade preiswert. Das ist leider ein gesamtschweizerisches Problem. Gute Parade und gutes Festival. Super Organisation durch den Zurich Pride Verein und zahlreiche helfende Hände. Absolut lohnenswert, bin sicherlich im nächsten Jahr wieder dabei.

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© Foto Alex Minsky: Verein Zurich Pride Festival

© Titelfoto: Klaus Kirschner/bonvoyage

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